Was ich suchte;
Meine erste Ayurvedakur sollte unbedingt so authentisch wie möglich sein, konnte also nur in Indien oder Sri Lanka stattfinden. Sie sollte in einer kleinen Einheit am Strand sein und neben einer erstklassigen Behandlung die Möglichkeit bieten, mit Einheimischen Kontakte zu knüpfen, um nebenbei die Kultur und den Alltag des Landes kennenzulernen. Außerdem wollte ich meditieren und meine Yogakenntnisse vervollkommnen.
Was ich fand:
Nach intensiver Internetrecherche buchte ich 3 Wochen Haus Arnika, weil Heidi mich überzeugen konnte, dass Ayurveda am Meer nicht authentisch ist und mir der Gedanke, eine deutschsprachige Unterstützung bei den Arztkonsultationen zu haben, sehr gefiel.
Haus Arnika
Der deutsch-indische Mix ist perfekt. Taya ist das Herz, Heidi die Seele des familiär geführten Hauses, dessen Atmosphäre geprägt ist von der sehr offenen, freundlichen Art der Gastgeber. Jeder erfüllbare Wunsch wird erfüllt – Taya ist unermüdlich beim Heranschaffen aller benötigten Dinge und Heidi beantwortet geduldig alle Fragen, die die Gäste, Taya und die vier Hausangestellten pausenlos haben. Mehrmals pro Woche kommt der Ayurvedaarzt ins Haus, um die jeweiligen Behandlungserfolge zu überprüfen und den persönlichen Behandlungsplan individuell anzupassen.
Außer mir waren drei weitere „Gästinnen“ da. Durch die vielen Gespräche mit den Gastgebern, den zu Besuch kommenden Familienmitgliedern, den Angestellten und den Nachbarn erhielten wir tiefe Einblicke in das für europäische Begriffe so ganz andere Leben in Kerala. Sehr gut geschmeckt haben uns die köstlichen indischen Gerichte, daher hat Pamela beim Kochen zugeschaut und ein Kochbuch geschrieben.
Meine Kur
Noch am Tag der Ankunft kam der Arzt und am nächsten Tag erhielt ich meine erste Behandlung. Mir wurde gleich klar: Traditionelles Ayurveda hat nichts zu tun mit Wellness, es ist schwere Arbeit für die Behandler UND den Behandelten. Ich war nach 1 Stunde Synchronmassage so müde, dass ich einschlief, sobald ich zum Ausruhen im Liegestuhl Platz nahm. Die ersten 7 Tage wechselten sich ab: Schlaf, Behandlung, Schlaf, Mahlzeit, Behandlung, Schlaf, Spaziergang, Behandlung, Schlaf, Mahlzeit. Zu mehr hatte ich keine Zeit und keine Energie. So kannte ich mich gar nicht, bin sonst immer voller Tatendrang – manchmal war ich richtig unwirsch mit mir selbst, weil ich ja so viel wollte und so wenig konnte.
Es würde zu weit führen, alle Erlebnisse, Gedanken und Gefühle zu schildern, die wechselseitig während dieser Behandlung kommen. Allerdings hatte ich ein besonderes Erlebnis, was sicherlich nicht jedem zuteil wird, dass ich hier noch erwähnen möchte. In der zweiten Woche verordnete mir der Doc das sogenannte Khadivasti – warmes Öl wird in einen Teigrand (bei mir im Lendenwirbelbereich) gefüllt. Plötzlich spürte ich ganz deutlich, dass sich vom Lendenbereich ausgehend ein warmes Gefühl genau an den größten Problemstellen (bei mir linker vorderer Oberschenkel, linkes Knie und linke Hüfte) ausbreitete, jeden Tag ein wenig anders in der Intensität und an etwas anderer Stelle, aber immer deutlich eine Fortsetzung des vorherigen Tages. Es war, als ob sich eine im Körper befindliche Spannung/ein Druck gelöst hat. Habe aber auch gemerkt, dass die Zeit nicht gereicht hat, um diese ganze Spannung (habe eine Skoliose) komplett aufzulösen. 3 Wochen waren für mich eigentlich zu kurz. 4 Wochen wären sinnvoll gewesen.
Fazit
Wer außer einer erstklassigen Therapie im familiär geprägten Umfeld Einblicke in den indischen Alltag sucht, keine Berührungsängste hat, sich einlassen kann auf viel Nähe, indische Küche, dörfliche Abgeschiedenheit schätzt (keine Angst, die Stadt ist nur 12 km entfernt), der ist bei Heidi und Taya genau richtig. Solch liebevolle und fachlich versierte Gastgeber, deutsch sprechend, wird man anderswo lange suchen müssen. Allerdings werde ich, auch wenn es noch so authentisch ist, nie wieder zur Regenzeit hinfahren. Mir war es zu naß. Und zu kalt!
Ich bedanke mich hiermit ganz herzlich bei allen, die dazu beigetragen haben, diese 3 Wochen für mich unvergesslich zu machen.
Gerda