Glossar: Ayurveda

In diesem Glossar sollen die wichtigsten Begriffe rund um Ayurveda erklärt werden – in aller Kürze, aber auch in gebotener Ausführlichkeit.

Ein Klick auf den Begriff bringt Sie zur Stelle mit den Erläuterungen für:

Abhyanga, Agni, Ayurveda, authentisch, Dinacharya, Kapha, Kizhi, Doshas, Panchakarma, Prakriti, Pitta, Pizhill, Shirodhara, Vata.

Abhyanga – ayurvedische Ölmassage

(Sanskrit: अभ्यंग oder अभ्यङ्ग, abhyaṅga).
Die aus Indien und Sri Lanka stammende ayurvedische Ölmassage ist Bestandteil ayurvedisch-medizinischer Behandlungsweisen und wird z.B. dafür genutzt, Kräuterextrakte in den Körper einzubringen. Sie kann aber auch unabhängig davon als Wellness-Anwendung gegeben und genossen werden, denn sie gehört zu Dinacarya Adhyaya, den „Empfehlungen zur täglichen Lebensgestaltung“.

Abhyanga werden viele positive Wirkungen zugeschrieben. Die Ölmassage öffnet nach der ayurvedischen Lehre die Srotas, das sind die Kanäle, mit denen das Ama abtransportiert wird. Ama ist Unverdautes („Schlacken“) und Ursache von Krankheiten. Auf diese Weise wirkt die Ölmassage gesundheitsfördernd.

Es gibt auch „seelisches Ama“ – Unverdautes im seelischen Bereich, was wir leider viel zu wenig beachten. D.h. dass auch Stress, Ärger, Ängste, Spannung usw. können Ama erzeugen, was sich als reale Ablagerung im Körper zeigt. Die Abhyanga-Massage hilft, auch dieses seelisch Unverdaute abzutransportieren, was oft als heitere Gelassenheit im Anschluss an eine Massage spürbar wird.

 

 

Agni

(Sanskrit m., अग्नि Agni „Feuer“, „Gott des Feuers“),
Feuer, Verdauungsfeuer, Verdauungskraft.

In der ayurvedischen Medizin spielt die Verdauungkraft eine wichtige Rolle. Sie wird unter anderem durch die Qualität der Nahrungsmittel, aber auch durch seelische Faktoren beeinflusst.
Ist das Agni geschwächt oder gestört, wird die Nahrung nicht vollständig verdaut und absorbiert. Agni-Störungen äußern sich als Blähungen, Völlegefühl, Sodbrennen oder Heißhunger. Eine schlechte Verdauung erzeugt Mala („Rückstände“) und Ama („Giftstoffe“), die sich im Körper ansammeln und den Stoffwechsel beeinträchtigen. Auch auf der seelischen Ebene lassen „unverdaute“ Ereignisse Mala und Ama entstehen.

Schlechte Verdauung macht also krank, wogegen sich ein gesundes Agni durch zwei- bis dreimal täglichen guten Hunger und eine regelmäßige Verdauung auszeichnet.

Die Kraft des Agni wird durch vielerlei Faktoren beeinflusst wie Qualität, Menge und Art der Nahrungsmittel, körperliche und geistige Aktivitäten, Klima und Jahreszeit, Tageszeit und Lebensalter, Schlaf, Stress und natürlich der Grundkonstitution. Auch auf der seelischen Ebene könnten durch “unverdaute” Ereignisse und Probleme Ama entstehen.

Als „Gott des Feuers“ war Agni im Hinduismus die Feuerform des Göttlichen und damit eine der wichtigsten Gottheiten der Vedischen Religion. Agni wurde als Mittler zwischen Menschen und Göttern angesehen, da er durch „Verzehr der Opfergaben“ (= durch Feuer) jene zu den Göttern bringt.

authentisch

hier: authentischer Ayurveda, im Gegensatz zum reduzierten und geglätteten, an die Erfordernisse klinischen Massenbetriebs und den westlichen Geschmack angepassten Ayurveda.

Eine wirklich authentische Ayurveda-Behandlung ist in Einrichtungen mit vielen Patienten praktisch kaum durchführbar. Als Beispiel mögen die Kräuteröle dienen:

Authentisch ist die Zubereitung nach traditionellen Rezepturen von guten Herstellern, wofür oft 30 – 40 verschiedene Kräuter, Rinden, Wurzeln und anderen natürliche Rohstoffe benötigt werden. Dem entsprechend sind diese Öle auch für indische Verhältnisse recht teuer. In großen Einrichtungen werden dagegen häufig nur einfache Öle mit fünf bis sechs verschiedenen Zutaten verwendet – wobei dieses Öl dennoch genauso heißen kann wie das aus vielerlei Zutaten hergestellte. Eine staatliche Kontrolle der Rezepturen gibt es in Indien nicht. Für Massagen kommen sogar oft ganz einfache Öle zur Anwendung, manchmal nur das billige Neemöl ohne irgendwelche Kräuterzusätze.

Ähnlich verhält es sich bei allen anderen Rezepturen, die im authentischen Ayurveda sehr komplex sein können und auf die individuelle Konstitution bzw. die Doshas des Patienten abgestimmt werden. Kräuterstempel, Duschwasser, Masken, Packungen und die manchmal bittere Medizin – all das lässt sich nur im kleinen Rahmen mit vertretbarem Aufwand INDIVIDUELL herstellen und anwenden.

Mehr dazu im Artikel: Traditionell ist nicht immer gleich authentisch

Ayurveda

„Ayurveda“ ist Sanskrit und heißt übersetzt „Wissen vom Leben“, auch „Lebensweisheit“ bzw. „Lebenswissenschaft. Es handelt sich um eine 3000 Jahre alte traditionelle Heilkunst mit Ursprung in Indien, die heute weltweit praktiziert wird und auch vielen „westlichen“ Menschen hilft.

Die Grundidee des Ayurveda ist, dass der Mensch wie die ihn umgebende Natur aus fünf Elementen besteht: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum. Im menschlichen Körper wirken diese Elemente in Form von drei Energien, den so genannten Doshas: Vatha reguliert die Beweglichkeit des Körpers, den Atem, die Muskeln und den Magen-Darmtrakt. Pitta ist die Energie, die Umwandlungsprozesse bestimmt, wie etwa den Stoffwechsel und die Verdauung. Und Kapha gibt dem Körper Stabilität und Struktur, z.B. feste und stabile Gelenke.

Jeder Mensch wird gemäß der Ayurveda-Lehre mit einem bestimmten Mischungsverhältnis dieser Energien geboren, die quasi seine Grundkonstitution, seinen Dosha-Typ bestimmen. Durch Stress, Umwelteinflüsse und falsche Ernährung geraten die Energien aus dem Gleichgewicht, was zu Krankheiten und Missbefindlichkeiten führt. Die verschiedenen ayurvedischen Behandlungen und Ernährungsempfehlungen basieren jeweils auf einer Typ-Diagnose und sind deshalb nicht für jeden Menschen gleich. Kräuter oder Öle werden dem jeweiligen Typ und der Art des Ungleichgewichts, unter dem die Person leidet, angepasst.

Die therapeutischen Methoden des Ayurveda umfassen eine typgerechte Ernährung und die „Ausleitung von schädlichen Körpersäften“ – vor allem durch das berühmte Panchakarma. In Deutschland wird vornehmlich das sogenannte Kerala-Panchakarma angeboten, das für Europäer verträglicher ist als die härtere Urform. Fasten, Abführen, verschiedene Kräutertees, der berühmte Stirnguss Shirodha und das Königliche Ölbad (Pizhichil), bei dem zwei Ayurveda-Therapeuten den Patienten gleichzeitig mit drei bis vier Liter Öl massieren, kommen hier zur Anwendung. Kräuterdampfbäder und Massagen erwärmen den Körper, um die „Ausleitung“ zu unterstützen.

Obwohl viele Wirkungsweisen des Ayurveda wissenschaftlich noch nicht bestätigt sind, verzeichnen die Behandlungen nachweislich bei vielerlei Beschwerden und Krankheiten gute Erfolge: entzündliche Darmerkrankungen, Rheuma, Neurodermitis, Schuppenflechte, chronische Nasennebenhöhlenentzündung und Asthma bis hin zu Bluthochdruck, Schlafstörungen und leichten Depressionen bessern sich. Für die Regeneration von Körper und Geist ist Ayurveda somit eine gute Wahl, die auch „nur gestressten“ Erholung Suchenden viel zu bieten hat.

Mehr? Hier ein ausführlicherer Artikel über Ayurveda.

Dinacharya

Tägliche Routine, tägliche Lebensgestaltung.

Die ayurvedischen Empfehlungen zur täglichen Routine (Dinacharya Adhyaya) umfassen vielerlei gesundheitsförderliche Aspekte, die allesamt dazu dienen, die Doshas auszubalancieren, bzw. in gesundem Gleichgewicht zu halten. Wach- und Schlafenszeiten, Reinigung, Essen, Trinken, Übungen, Massagen und Tees – das tägliche „Programm“ umfasst das ganze Leben und kann selbstverständlich für jedes Individuum anders aussehen, je nach Diagnose und persönlicher Konstititution.

Im Rahmen einer ayurvedischen Diagnose und Behandlung wird der Arzt die Empfehlungen dem Patienten nach Abschluss mit auf den Weg geben.

Doshas

Ayurveda offenbart seinen ganzheitlichen Ansatz in der Lehre von den drei Doshas.
Sie bildet die theoretische Grundlage dieser Heilkunde und ermöglicht das Verstehen der vielfältigsten Zusammenhänge in der Natur und im gesamten Kosmos.
Das Bioenergiesystem des Menschen besteht aus den drei unterschiedlichen Bioenergien, den drei Doshas, genannt VATA, PITTA und KAPHA.

  • VATA enthält das Luft- und Raumprinzip,
  • PITTA das Feuer- und in geringem Maße das Wasserelement,
  • KAPHA das Erd- und Wasserelement.

Diese drei Bioenergien wirken nicht nur im Menschen, sondern darüber hinaus im ganzen Universum. Kein Tier, keine Pflanze, keine Materie existiert ohne Doshas. Die Verteilung dieser Doshas ist in jedem Menschen verschieden und macht seine Individualität aus.

Kapha

Neben Pitta und Vata eine der drei Bio-Energien (Doshas) im bio-energetischen System des Menschen. Kapha gibt dem Körper Stabilität und Struktur, z.B. feste und stabile Gelenke. Kapha ist zuständig für neues Wachstum und besteht aus den Elementen Wasser und Erde. Grundprinzip ist hier die Trägheit, doch steht Kapha auch für Stabilität, das Nährende, Fürsorgliche, Mütterliche und auf der körperlicher Ebene für alles Feste wie Knochen, Zähne und Nägel. Der Charakter von Kapha ist im Unterschied zu den anderen Doshas „kühl“.

Panchakarma

Sanskrit: fünffache Handlung, fünf Handlungen.

Die wörtliche Übersetzung aus dem Sanskrit heißt „5 Handlungen“. Das sind fünf Wege der Reinigung und Entgiftung, die in der Ayurvedischen Medizin beschritten werden. Stoffwechselabbauprodukte („Schlacken“), Umweltgifte und unverdaute Nahrungsbestandteile werden aus dem Körper ausgeleitet. Ein Prozess, der auch eine geistige Seite hat, auf die man sich einlassen sollte.

Die Reinigung kann über fünf Öffnungen geschehen: Einläufe (Vasti), Abführen (Virechana), therapeutische Reinigung über die Nase (Nasya), therapeutisches Erbrechen (Vamana) oder Aderlass (Rakta Moksha) sein. Die Reinigungsart wird entsprechend der diagnostizierten Störungen gewählt, doch werden die beiden letztgenannten Methoden heute nurmehr bei wenigen, seltenen Symptomen angewendet.

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Die Intensiv-Behandlung, wie sie bei uns durchgeführt wird, beinhaltet IMMER die Reinigung, bzw. Ausleitungen, d.h. Panchakarma ist ein notwendiger und wichtiger Bestandteil der bei uns durchgeführten Ayurveda-Kur. Lesen Sie mehr darüber, wie wir Panchakarma im Haus Arnika in die Ayurveda-Intensivbehandlung einbinden.

Pitta

Neben Kapha und Vata ist Pitta eine der drei Bio-Energien (Doshas) im bio-energetischen System des Menschen.

Pitta bedeutet „erhitzen“ und besteht aus den Elementen Feuer und Wasser. Es ist für alle biochemischen Aktivitäten verantwortlich, inklusive der Erzeugung von Wärme. Pitta hat einen Bezug zur Sonne, das Grundprinzip ist die Umwandlung, Erneuerung, Transformation. Pitta beeinflusst sämtliche Stoffwechselprozesse im Körper. Man sagt auch, das Pitta-Dosha regiere alle „feurigen“ Prozesse im Körper: Wärmehaushalt, Nahrungsaufspaltung, Stoffwechsel und Energiegewinnung. Der Charakter von „Pitta“ ist im Unterschied zu den anderen Doshas eher „heiß“.

Prakriti

Jeder Mensch hat – aus ayurvedischer Sicht – eine Geburtskonstitution (Prakriti), die seine individuelle, unverwechselbare Dosha-Verteilung darstellt. Diese Grundkonstitution stellt zugleich unsere bestmögliche körperliche, seelische und geistige Gesundheit dar und einen Zustand des energetischen Gleichgewichts, der es uns ermöglicht, unsere eigentliche Lebensaufgabe im bestmöglichen Sinne zu erkennen und zu erfüllen. Die Grundkonstitution kann von einem, zwei oder von allen drei Doshas geprägt sein.

Im Laufe des Lebens können wir durch verschiedene Umwelteinflüsse und falsche Lebensweise in ein energetisches Ungleichgewicht geraten. Auf dem Nährboden dieses psycho-physiologischen Ungleichgewichts entstehen im wesentlichen unsere Krankheiten und Beschwerden.

Shirodhara – der Stirnölguss

Für den berühmten Stirnölguß Shiroda werden verschiedene hochwertige Kräuteröle (Thaila) verwendet, je nachdem, unter welchen Symptomen bzw. Beschwerden der Patient leidet.

Der Vorgang: Ein warmer Ölstrahl wird über die Stirn geführt. Dabei werden die drei Haupt-Nadis stimuliert, die auf der Stirn zusammenlaufen. Dadurch wird ein tiefer Entspannungszustand erreicht. Der Shirodhara wird im Liegen durchgeführt. Besonders empfohlene Thaila für Stirnölgüsse heißen Kshirabala Thaila und Bhringamalakkadi Thaila, hergestellt nach traditionellen Rezepten.

Der Ölguss auf die Stirn beruhigt das gesamte zentrale Nervensystem. Für viele Patienten ist er ein besonderes Erlebnis innerer Ruhe, Harmonie und Losgelöstsein. Angewendet wird das Shirodhara vor allem bei neurovegetativen Störungen und Erschöpfungszuständen – meist im letzten Drittel der Behandlungszeit .

Im Ayurveda wird der Kopf als Tor des Himmels bezeichnet. Eine Behandlung des Kopfes öffnet dieses innere Tor und lässt uns die Geschenke des Himmels empfangen.

Vata

Neben Pitta und Kapha ist Vata eine der drei Bio-Energien (Doshas) im bio-energetischen System des Menschen. Vata ist Sanskrit und heißt übersetzt „sich bewegen“. Es bildet den wichtigsten Bestandteil des Dosha-Gerüsts und ist verantwortlich für alle Bewegungsabläufe im Körper, sowohl physische als auch psychische.

Vata unterstützt den Körperbau und das Gewebe und reguliert den Kreislauf. Als kosmische Verbindung steht es für den Wind und das Grundprinzip ist Veränderung. Die Elemente sind Äther und Luft und die Einflüsse Aktivität und Bewegung. Vata ist „kalt“.

Eingetragen am: 25.08.2011

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