Ayurveda: Traditionell ist nicht immer gleich authentisch

Kräuteröle – einfach oder komplex

Öle und Wurzeln

Eine wirklich authentische Ayurveda-Behandlung ist in Einrichtungen mit vielen Patienten praktisch kaum durchführbar. Das wird z.B. anhand der hochwertigen Kräuteröle klar, wie sie bei uns verwendet werden: Nach traditionellen Rezepturen von guten Herstellern zubereitet, oft aus 30 – 40 verschiedenen Kräutern, Rinden, Wurzeln und anderen natürlichen Rohstoffen. Dem entsprechend sind diese Öle auch für indische Verhältnisse recht teuer.

In großen Einrichtungen werden dagegen häufig nur einfache Öle mit fünf bis sechs verschiedenen Zutaten verwendet – wobei dieses Öl dennoch genauso heißen kann wie das aus vielerlei Zutaten. Eine staatliche Kontrolle der Rezepturen gibt es in Indien nicht. Für Massagen kommen sogar oft ganz einfache Öle zur Anwendung, manchmal nur das billige Neemöl ohne irgendwelche Kräuterzusätze.

Individuelle Rezepturen

elakizhi-fertig

Bei uns werden für jeden Patienten genau diejenigen Kräuteröle verwendet, die für die individuell diagnostizierte Dosha-Verteilung und die konkreten Symptome wichtig sind – was durchaus NICHT allgemeiner Standard ist.

Das wundert auch nicht: Bei den so wichtigen Behandlungen wie Kizhi, Pizhill und Shirodhara wird nämlich viel Öl gebraucht: Z.B. für Pizhill, die sog. „Königsmassage“, pro Person ca. vier Liter hochwertigstes Öl – für jede Person ein EIGENES Öl, an sieben Tagen pro Woche! Kaum durchführbar in Einrichtungen mit 30, 50 oder gar mehr Gästen.

Kräuterbündel – selbst gesammelt

Kräuter vorbereiten
elakizhi

Ähnlich verhält es sich bei Kizhi, den Kräuterbündeln. Die Masseure sammeln selber große Mengen frischer Kräuter aus der Umgebung. Die Beutel werden bei uns nur drei Tage verwendet, dann werden wieder frische zubereitet. („Wiederaufbereitung“ gebrauchter Öle mit Kampfer-Zusätzen für weitere Patienten kommt NICHT in Frage!) Für sieben Tage werden also bereits 8 solcher Beutel pro Person gebraucht, bei vier Kurgästen 32 Beutel, wobei das Sammeln, Schneiden und Zubereiten sehr zeitaufwändig ist. Auch hier gilt also: Trotz „indischer Löhne“ kann dies für eine größere Anzahl Patienten so authentisch nicht geleistet werden, Kerala wäre sonst bald ein kahler Landstrich.

Authentisches Duschwasser, Masken, Packungen – und manchmal eine bittere Medizin

Das Duschwasser für die Patienten wird bei uns noch am offenen Feuer mit ca. zehn verschiedenen Zutaten gekocht, was anderswo so gar nicht mehr praktiziert wird. Auch Gesichtspackungen und andere Auflagen werden aus frischen Kräutern für unsere Gäste hergestellt – oft mühsam im Mörser kleingerieben.

Zutaten
Kräuter schmoren

Oft werden unsere Medizinen zum Einnehmen nach authentischen Rezepturen selbst gekocht oder von einem traditionellen Ayurveda-Behandler aus besonderen Zutaten hergestellt, der noch durch einen Guru oder innerhalb einer sog. „Arztfamilie“ ausgebildet wurde. Dies ist besonders wichtig bei Hauterkrankungen, da in den frisch zubereiteten Medikamenten keine Chemie zu Haltbarmachung benötigt wird – weder zur inneren noch zur äußeren Anwendung. Jegliches Fertigprodukt muss dagegen haltbar gemacht werden – und das erfordert zwangsläufig chemische Zusätze.

Einige Medizinen sind in ihrer authentischen und damit wirkungsvollsten Form vom Geschmack her etwas gewöhnungsbedürftig. Wir verzichten darauf, sie (dem westlichen Gaumen zuliebe) durch wohlschmeckende Stärkungsmittel ohne spezifische Heilwirkung zu ersetzen.

Eingetragen am: 11.11.2014