Endlich wieder Internet-Anschluss

Kaum zu glauben – aber eine herbe Realität: 10 Monate hatte ich  hier in Trivandrum keinen Festnetzanschluss. Und damit auch keinen Internet-Zugang
Das Telefonkabel  wurde beim Verlegen der öffentlichen Wasserleitung im Dezember 2007 immer wieder zerrissen. Tagelang waren dann die Betroffenen ohne Telefonanschluss.
Manchmal  konnte die kaputte Stelle gefunden und repariert werden.

Bei unserer  Leitung war es angeblich nicht möglich, die Fehlerstelle zu finden.
Ich erhielt  ein schnurloses Telefon, mit dem Hinweis, dass dies eine vorübergehende Sache sei.
Es stellte sich bald heraus, dass dieses schnurlose Telefon ohne Wert war, da wir im Außenbezirk sind,
d.h. der Sendeturm ist zu weit weg und eine Verbindung damit eher zufällig oder gar nicht möglich.
Monaten waren wir beschäftigt mit Beschwerdebriefen. Mein Partner marschierte fast jeden dritten Tag zu den zuständigen Leuten.
Es hieß immer wieder: „After 3 days  oder next week it is ready“
Doch dann geschah gar nichts.  Ständig neue Versprechungen – und unwirsche Reaktionen, wenn mein Partner wieder vorstellig wurde.

 Das sind die weniger angenehmen Seiten dieses Landes. Die Telefongesellschaft ist staatlich –die Beamten scheren sich wenig um die Belange der Verbraucher. Bestechungsgelder hätten wohl  genützt. Aber wir haben da  unsere Prinzipien. Und wie so oft im Leben: Prinzipien haben ihren Preis.

Was mir immer noch nicht einleuchtet: Alle Häuser in unserer Nachbarschaft hatten sehr schnell wieder einen funktionierenden Festnetz-Anschluss. Lediglich unsere Zuleitung. bzw. die Fehlerquelle  war nicht zu finden. Vielleicht ist mal jemand in der Lage,mir die Logik  davon zu erklären.
In den Monaten von April bis Mitte August war ich in Deutschland – und hoffte, dass der Anschluss wieder in Ordnung ist,wenn ich nach Indien komme.
Leider eine vergebliche Hoffnung. Erneut die ständigen Beschwerdebriefe, die Nachfragen und die Versprechungen.

Ich musste, bzw. konnte  den PC im Nachbarhaus beim Neffen.nutzen. Leider war dort sehr oft  niemand zuhause.
Am Abend ist der Strom hier zu schwach oder fällt ganz aus. Computer kann deshalb nicht hochgefahren werden.
Somit  war meine Arbeit am PC mit viel Umstand, Zeitaufwand und Frust verbunden.

Nach langen Überlegungen   hat mein Partner einen Politiker  eingeschaltet, bzw. ihm unsere Misere berichtet.
Wir waren gespannt, ob er mehr Erfolg hat – oder sich auch nur leere Versprechungen anhören muss.

Der Politiker rief also  einem hohen Beamten der Telefongesellschaft an. Er erhielt das Versprechen,
dass innerhalb von drei Tagen eine neue Leitung gelegt wird und damit der Anschluss unseres Hauses wieder möglich ist.
Doch so schnell ging es dann doch nicht. Immer wieder mußte der Politiker nachfragen und wohl auch etwas massiver vorgehen.

Irgendwann hieß es, es müsse eine ganz neue Leitung für uns gelegt werden – das würde auch etwas länger dauern.
Wieder warten,warten,warten….. und immer wieder den Politiker anrufen !
Dann hieß es, die Leitung wird überprüft. Und tatsächlich: An mehreren Stellen wurde die Straße aufgegraben.
Nach zwei Tagen wurde unser Haus erreicht. Dann hieß es, die alte Leitung ist in Ordnung. Es war also gar keine neue Leitung nötig gewesen.
Nun stellte sich heraus, dass unsere Festnetz-Nummer gekappt war. Wieder dauerte es Tage mit vielen Anrufen (mit Handy!).
Dann war geklärt, dass wir die „alte Telefon-Nummer wieder bekommen.
Endlich, endlich klingelte das Telefon.
Aber zu früh gefreut: Weitere Tage dauerte es, bis alles mit dem Internetanschluss geklärt war. Erst hieß es,
wir müssen einen neuen Antrag stellen. Also Antrag holen, Antrag ausfüllen, Antrag abgeben. Zum Glück rief mein Partner
vorher nochmal einen zuständigen Techniker an. Dieser erklärte, dass kein neuer Antrag nötig sei, da wir dann nochmal
einen ganzen Monat auf das Internet warten müssen.
Er meinte, er könne am folgenden Tag den Anschluss herstellen. Wir warteten doch nochmal weitere 3 Tage –
und dann kam der Anruf:
Die Internet-Verbindung ist geschaltet.
Zu früh gefreut – irgendwas klappte immer noch nicht. Diesmal hatten wir eine sehr hilfsbereite Dame,
die mit großer Geduld immer wieder Tests durchführte und uns über das Telefon Anleitung gab, wie wir den PC einstellen müssen.
Dann … endlich blinkten die blauen „Kästchen“ in der Taskleiste – der Internet-Anschluss funktioniert !
Ein Gast, der die großen Schwierigkeiten mitbekam, meinte: „Ich wundere mich, dass Du immer noch lachen kannst“.
Ja, Humor ist, wenn man trotzdem  lacht. Was anderes hätte ich denn manchen sollen. Weinen ? Toben ?  Streiten?
In Indien kommt man damit nicht weit.
Indien ist ein Land, in dem man Gelassenheit lernt, bzw. lernen muss. Hat auch etwas für sich – gelassen auf das zu reagieren,
was nicht (so schnell) geändert werden kann.
Heißt es doch :
Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann;
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen unterscheiden zu können.

In unserem Fall haben wir allerdings dem Politiker zu danken, der sich wirklich unermüdlich für uns einsetzte.

Eingetragen am: 19.10.2008
Thema: Alle Artikel, dies und das

2 Kommentare zu »Endlich wieder Internet-Anschluss«

  1. Das ist wirklich etwas, das für deutsche Gemüter schwierig, oder sogar gefährlich für die Gesundheit, werden kann.

    Sicher sind solche Dinge sehr nervtötend, aber trotzalledem bin ich mir nicht wirklich sicher was ich mir entspannter und schöner vorstelle. Die Perfektion und Planbarkeit die man erwartet muss man ja auch selbst bieten. Auf die Dauer auch kein schöner Zustand.

  2. Danke der Nachfrage! Ja, es ist alles klar.
    Hatten die letzten Wochen einerseits sehr viel zu tun, andererseits oft tagelang Stromausfall – dann geht eben nichts am PC.

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