Panchakarma

Im Westen wird Panchakarma sehr oft gleichgesetzt mit Ayurveda–Kur, was allerdings nicht der Fall ist.

Der herausragende Nutzen und die Wirksamkeit der Panchakarma-Therapie wurden bereits in uralten Aufzeichnungen beschrieben. Nachfolgend ein Zitat aus der Charaka Samhita (ca. 400 v. Chr.); Sutra 16: 17-19:
„Bei einem Menschen, dessen Verdauungssystem gereinigt wurde, wird der Stoffwechsel angeregt, Krankheit verringert und normale Gesundheit aufrecht erhalten. Sinnesorgane, Geist, Intellekt und Ausstrahlung werden verbessert; Stärke, guter Ernährungszustand, gesunde Nachkommenschaft und Potenz werden erzeugt. Alterserscheinungen treten weniger leicht auf und der Mensch lebt lange, frei von Störungen. Deshalb sollte man die Ausscheidungstherapie zeitgemäß und richtig durchführen.“
In diesem Sinne ist die Panchakarma-Kur eine einzigartige Behandlung zur Revitalisierung, Verjüngung und Vorbeugung.

Deshalb sehen wir es als unsere Verpflichtung an, die ayurvedischen Behandlungen authentisch durchzuführen und dadurch maximalen Nutzen zu ermöglichen.
Panchakarma ist also in erster Linie eine intensive Reinigungsbehandlung , um „ama“, d.h. die Stoffwechselschlacken, unverdauten Nahrungsbestandteilen, Toxine und Umweltgifte auszuleiten.

Der Begriff kommt aus dem Sanskrit und heißt „5 Handlungen“.
Damit gemeint sind fünf Arten der Reinigung und Entgiftung.
Traditionell sind das
Abführen (Virechana),
Einläufe (Vasti),
therapeutische Reinigung über die Nase (Nasya)
therapeutisches Erbrechen (Vamana)
Aderlass (Rakta Moksha)

Heutzutage werden die beiden letzten Ausleitungsformen nur noch sehr selten angewendet (bei schweren chronischen Erkrankungen.) Sie müssen im Beisein eines erfahrenen Arztes durchgeführt werden.
Bei der Behandlung steht die individuelle Verfassung, d.h. die aktuelle Dosha-Verteilung an oberster Stelle. Durch die ayurvedische Untersuchung mit Pulsdiagnose, wird festgestellt, auf welche Weise die Doshas gestört, bzw. im Ungleichgewicht sind.. Ihre persönliche Therapie wird entsprechend Ihrem Symptomen und Ihrem Konstitutionstyp geplant. Danach beginnt die Panchakarma-Behandlung in mehreren aufeinander folgenden Schritten:
Damit eine effektive Ausleitung gemacht werden kann, ist eine gute Vorbereitung notwendig:
Innerliche Vorbereitung
Je nach Verteilung der Doshas verordnet der Arzt die Kräutermedikamente. Oft werden sie als sog. „Kashayam“ und/oder „Arishtam“ gegeben. Das sind flüssige Medikamente, die bis zu 35 und mehr verschiedene Kräuter enthalten. Diese Medikamente sind sehr wichtig, um den Stoffwechsel zu aktivieren.

Äußerliche Vorbereitung
Genauso wichtig wie die inneren ist die äußere Vorbereitung für die Ausleitung. Vor jeder Ausleitung müssen die dazu passenden Massagen durchgeführt werden. Je nachdem welche Symptome, bzw. Erkrankung vorliegt, wird eine Ölmassage mit individuell ausgewähltem Massageöl oder ein Massage mit Kräuterpulver durchgeführt, damit der Organismus „in Schwung“ gebracht wird, d.h. der Stoffwechsel wird intensiv angeregt.

Snehana  – sanftes Einölen des Körpers oder
Abhyanga  -Massage mit viel Kräuteröl, wobei etwas stärkerer Druck ausgeübt wird.
Udvarthana – Massage mit feinem Kräuterpulver, wenn Abnehmen ein wichtiges Ziel ist
Swedana = Schwitzbehandlung/Dampfsauna/“steambath“

Nach Ölmassagen: Toxine unter der Haut werden durch Schwitzen ausgeleitet.
(siehe Bericht eines Gastes in  www.ayurveda-intensiv.de)
Damit wird dafür gesorgt, dass die vorher gelösten körpereigenen Gifte und Schadstoffe (ama) auch tatsächlich aus den Geweben ausgeschwemmt werden. Wärmeanwendungen wie Kräuterdampfbäder oder heiße Kompressen steigern die Stoffwechselaktivität und erweitern auch die feinsten Blut- und Lymphgefäße. So können die Schadstoffe die Zellen verlassen und in das Innere des Darms geschleust werden.
Die Ausleitung
Jetzt erst, nach 5- 9 Tagen Massage folgt ein Ausleitungsverfahren, das entsprechend der Diagnose ausgewählt wird. Meist wird an diesem „purifikation –day“ ca 5h morgens ein Abführmittel eingenommen, das wieder individuell vom Arzt bestimmt wird. Es geht hierbei nicht nur um Abführen. Die ayurvedischen Mittel reinigen die Gefäße, die Leber, usw. und dann wird das angesammelte „ama“ über den Darm ausgeschieden.
Die Ausleitung ist sehr wichtig ! Wird sie nicht durchgeführt, kreist „Ama“ im Organismus, lagert sich später wieder an den Schwachstellen ab und verursacht wieder die gleichen oder sogar stärkere Beschwerden wie vor der Behandlung.
Behandlung
Dann folgen wieder für 5 – 9 oder 11 Tage Behandlungen wie z.B. „Kizhi“, entweder mit heilkräftigen Blättern und Gewürzen oder mit versch. Reis, Samen, Kräutermilch usw..
Nach diesem Behandlungsabschnitt von 5 bis 11Tagen wird die nächste Ausleitung durchgeführt.
Je nach Dosha-Ungleichgewicht kann es wieder ein Medikament zum Einnehmen, ein Öleinlauf und/oder Nasayam sein.

Nachbehandlung = Wiederaufbau, Verjüngung
Nach diesen intensiven Reinigungen folgt nun die Phase der Stabilisierung
Die Schwachstellen gilt es zu kräftigen, die Nerven werden vitalisiert .
Zur Stabilierung folgt für 5 – 9 Tage das sog. Pizhichill und /oder Shirodhara.
Bei beiden Anwendungen wird ja nach Symptomen ein hochwertiges Kräuteröl oder ein Milchkräutermischung verwendet.
pizhihill-1.jpg

Der Wiederaufbau bzw. Stabilisierung ist genauso wichtig wie die Reinigung selbst, auch bei kurzen Kuren! (wie nach dem Fasten, das „Fasten- brechen“).
Eine leichte, vegetarische Kost während und nach der Kur unterstützt die Wirkung der Behandlungen.
Während der Panchakarma Kur darf kein Fisch, Fleisch, Ei verzehrt werden.
Auch Eis und in Fett Gebackenes ist nicht erlaubt. Keine Rohkost.
Alkohol ist tabu. Das Essen darf nicht zu scharf, bitter, herb und sauer sein.
Eine Panchakarma Kur hilft, das „ama“ zu entfernen, was die Ursache für viele Beschwerden und letztlich auch für chronische Erkrankungen ist. Sie bringt die Doshas wieder in ihr natürliches Gleichgewicht, damit es gar nicht zu ernsthaften Erkrankungen kommt.
Ab wie vielen Tagen beginnt eine Panchakarma Kur?
Ideal sind:
24 Tage – zur Regeneration und Vorbeugung,
32 Tage – bei chronischen Gesundheitsstörungen,
45 Tage – bei schweren chronischen Erkrankungen ‚
oder eine Wiederholung der Kur nach ca 6 Monaten
Kürzere Aufenthalte dienen der Entspannung und dem Wohlbefinden, bewirken jedoch nicht die tiefe Reinigung einer vollständigen Panchakama-Kur.
Nach der Kur spielt ein geregelter Lebensstil und eine Ernährung, entsprechend den Doshas eine wesentliche Rolle, um die maximale Wirkung des Panchakarmas zu erreichen.

Eingetragen am: 18.09.2007
Thema: Alle Artikel, Ayurveda

2 Kommentare zu »Panchakarma«

  1. Therapeutisches Erbrechen und Aderlass hört sich aber nicht so gut an. Wird das immer noch (wenn auch in Einzelfällen wie du schreibst) gemacht?
    Hast du selbst schon mal so eine Kur gemacht?

  2. Natürlich ist das für uns Westler eine ungewohnte Vorstellung. Der Ayurveda-Arzt, der unsere Gäste betreut, sagt, das das therapeutische Erbrechen bei bes. Symptomen die beste Behandlung ist. Zu Aderlaß hat er sich noch nicht geäußert, bzw. habe ich ihn diesbezüglich auch noch nicht gefragt.
    Ich selbst habe schon mehrmals Ayurvedakuren gemacht, allerdings war da nie Erbrechen oder Aderlass dabei. Ich hatte ausgesprochene Vata-Symptome, da sind diese Behandlungen nicht angebracht.Ich weiß jedoch von einem Bekannten, der jahrelang wegen Magenbeschwerden von Arzt zu Arzt wanderte.(In Deutschland) Durch eine Ayurveda-Kur mit Erbrechen (einmal) sind die langjährigen Beschwerden sofort weg gewesen.

Haben Sie eine Frage oder einen Kommentar?